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Charaktervolle Abenteuer mit und ohne Rad.

Jobsuche in Vancouver und Kanada

Frisch mit dem Working Holiday Visa in Kanada angekommen stellt sich früher oder später die Frage: Wie komme ich an einen Job?” Die meisten Leute werden nicht so viel Geld mitbringen, dass sie es ein Jahr lang ohne Arbeit schaffen. Außerdem kann man das Leben in einem Land und eine Stadt meiner Ansicht nach wesentlich authentischer und umfangreicher kennenlernen, wenn man dort auch arbeitet. Arbeit spielt nunmal in unserer Gesellschaft eine nicht unerhebliche Rolle, als Teil der persönlichen Identität vielleicht sogar oft eine zu große.

Unterschiede zwischen kanadischem und deutschem Arbeitsleben

Einer der wohl markantesten Unterschiede zwischen diesen beiden Arbeitswelten ist die Schnelllebigkeit, welche in Kanada deutlich stärker ausgeprägt ist. Gerade die Bereiche, in denen Leute mit dem Working Holiday Visa arbeiten, sind von hoher Fluktuation geprägt. Bleibt ja auch nicht aus, wenn man insgesamt nur ein Jahr im Land ist, in dieser Zeit in einer Metropole, einem Skigebiet und auf einer Farm arbeiten möchte, während dazwischen noch ausgiebige Roadtrips angesagt sind.

Die allgemein übliche Kündigungsfrist beträgt 2 Wochen zu irgendeinem Tag deiner Wahl. Es kommt allerdings auch häufig vor, dass Leute von einem auf den anderen Tag nicht mehr zum Dienst erscheinen, manchmal geben sie zumindest Bescheid, manchmal auch nicht. Arbeitsverträge, in der Form wie wir sie verpflichtend aus Deutschland kennen, gibt es in Kanada auch selten. Man füllt einen Personalbogen mit ein paar Formalitäten wie SIN-Nummer (LINK) und Bankverbindung aus und los gehts.

Ein anderer großer Unterschied zwischen dem deutschen und dem kanadischen WHV-Arbeitsmarkt sind die Erwartungen, die an die Qualität der Arbeit gestellt werden. In den typischen Arbeitsbereichen für Leute mit dem Working Holiday Visa kommen Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Den Deutschen eilt im Ausland bekanntlich bezüglich ihrer Arbeitsmoral und -qualität mit der German Efficiency” ein guter Ruf voraus (dafür haben wir ausgleichsweise halt nicht immer so viel Spaß im und am Leben), der sich im internationalen Vergleich in der Tat häufig bewahrheitet. Dementsprechend gering sind die Erwartungen seitens der Arbeitgeber, was an sich total entspannt ist. Wenn man mit einer typisch deutschen Arbeitseinstellung einen Job antritt, kommt man in der Regel gut zurecht, im Gegenzug muss man die Erwartungen an Arbeitgeber und Kollegen aber auch senken und über diverse Sachen hinwegsehen. Ansonsten versetzt man sich selbst in unnötigen Stress.

Typische Jobs für Leute mit Working Holiday Visa

Die meisten Jobs gibt es ganz klar im Dienstleistungssektor. Die klassischen Stellen sind in der Gastronomie, in der Hotellerie (vor allem Housekeeping), in touristischen Verleihgeschäften (Skiverleih, Radverleih,…), im Garten- und Landschaftsbau oder auch im Baugewerbe. In den letzten beiden ist die Vergütung verhältnismäßig gut, in vielen anderen Branchen darf man allerdings nicht viel mehr als den gesetzlichen Mindestlohn erwarten. Dieser wird von den Provinzen bestimmt, in Britsh-Columbia beträgt er bespielsweise aktuell $10,45.

Während für Stellen im Baugewerbe und im GALA-Bau das Geschlecht gar nicht so die große Rolle spielt, wird in den Bars sehr sexistisch eingestellt. So sieht man beispielsweise in Vancouver Downtown und Gastown kaum männliche Server, stattdessen werden hier lieber Kellnerinnen eingestellt, die knapp bekleidet manchmal kaum von einer Gogo-Tänzerin zu unterscheiden sind. Trinkgeld ist der entscheidende Teil des Lohnes, da bringt die Kellnerin mit dem großen Ausschnitt halt mehr ein als der steife Typ im Hemd. Andersherum sieht man in den entsprechenden Bars auch kaum weibliche Barkeeper. Sexistische Kackscheiße!

Wo sucht man nach Jobs?

Die ultimative Lösung für alle Jobsuchen heißt “Craigslist”. Dies ist eine werbefreie online Plattform, zu vergleichen mit den Jobbörsen von Arbeitsagentur und lokalen Tagezeitungen, nur dass sie gleichzeitig auch noch Ebay-Kleinanzeigen und WG-gesucht ersetzt. In Vancouver und anderen großen Städten merkt man auf Craigslist sehr zügig, wie schnelllebig der Arbeitsmarkt ist. Unzählige Jobangebote pro Tag, häufig soll man einfach direkt mit seinem seinem Lebenslauf, dem Resume, vorbeikommen und nicht erst die Bewerbung langwierig einreichen.

Desweiteren gibt es einige Personalagenturen, welche arbeitswillige Menschen sehr zügig und auch tageweise in Arbeit vermitteln (in Vancouver zum Beispiel Angus One). In der Regel ist man dann bei den Agenturen angestellt, sagt wann man Zeit hat und ab geht’s.

Neben diesen beiden gibt es natürlich noch viele andere Plattformen und Wege, an Jobs zu kommen. Und in den Monaten vor der Hauptsaison (April/Mai) braucht man in Vancouver zum Beispiel einfach nur mit offenen Augen und einem Lebenslauf durch die Straßen gehen, unzählige Schilder mit der Aufschrift Now Hiring” laden dich quasi zur Bewerbung ein. Weiter gibt es in den Social Media Portalen des Internet viele Gruppen, in denen regelmäßig Stellenanzeigen gepostet werden.

Für Vancouver gesprochen stellt sich also, vor allem im Sommerhalbjahr, weniger die Frage ob man einen Job bekommt, sondern eher was für einen und zu welchen Bedingungen. Das große Geld macht man nicht so einfach, aber zum finanzieren eines kleinen Zimmers und eines einfachen Lebenstiles reicht es.

Jobsuche schon von der Heimat aus?

Da ist er wieder, der deutsche Drang, alles perfekt zu organisieren. Vielleicht ist es auch einfach die deutsche Angst, die diesen Gedanken aufkommen lässt. Grundsätzlich ist die Idee aber nicht schlecht. Wenn man bereits aus der Ferne einen Job finden konnte, wird das Leben in den ersten Tagen definitiv einfacher sein. Die (teilweise schmerzhafte) Orientierungslosigkeit der ersten Tage im neuen Land gepaart mit einem Jetlag wird sicherlich spürbar sinken, wenn man vorher schon diese große Säule der Unsicherheit erledigt hat.

Es gibt einzelne Arbeitgeber, die suchen ganz gezielt Leute mit deutschen Sprachfähigkeiten, sind dann auch gerne zu Skype-Interviews mit Leuten auf anderen Kontinenten bereit. Die meisten typischen Arbeitgeber für Leute mit den Working Holiday Visa suchen aber eher im hier und jetzt, denen ist es schon zu mühsam die vielen Bewerbungen im Email-Postfach durchzuschauen. Daher scheiden viele Stellen für Bewerbungen aus der Ferne aus.

Bewerbungsunterlagen – Das Resume

Wie bewirbt man sich in Kanada? Welche Unterlagen benötige ich? Für die meisten Bewerbungen auf die typischen WHV-Jobs benötigt man eigentlich nur eine Komponente: Den Lebenslauf, der in Kanada auf den Namen “Resume” hört. Ein Anschreiben braucht man nicht, wenn man den Lebenslauf persönlich abgibt. Ansonsten reichen meist ein paar einleitende Worte in der Email.

An dieser Stelle möchte ich nicht allzu tief auf die Gestaltung des Resume eingehen, dazu gibt es genug fundiertes Internetwissen an anderer Stelle. Grundsätzlich gibt es aber ein paar Besonderheiten im Gegensatz zum deutschen Lebenslauf:

  • Kein Bewerbungsfoto
  • Man nennt kein Geburtsdatum oder Alter. Das interessiert nur indirekt.
  • Man fasst im ersten Abschnitt zusammen, was für ein toller Hecht man ist und was man nicht alles kann oder zu können glaubt.
  • Danach listet man chronologisch, beginnend mit dem letzten, seine bisherigen Jobs auf und fasst zu jeden Job zentral zusammen was die Aufgaben, Verantwortungen und die größten Erfolge waren.
  • Man sollte sich selber dabei sehr wichtig nehmen, vielleicht mehr als man es als durchschnittlich bescheidene Person sein sollte.

Vorstellungsgespräche – Interview

Warum darf man nicht authentisch und ehrlich sagen, welche Sachen man gut und welche man nicht gut kann? Ich finde Ehrlichkeit, auch im Umgang mit eigenen Unsicherheiten, sehr authentisch und positiv. Man weiß woran man ist und welche Bereiche man selbst noch optimieren kann. Ich mag es im Berufsleben sehr, Leuten zu begegnen, die authentisch und ehrlich mit ihren Kompetenzen umgehen. Diese Leute genießen in der Regel meinen vollen Respekt, sind nicht angreifbar. Kollegen, die sich permanent kompetenter verkaufen als sie sind, kann ich irgendwann nicht mehr erst nehmen.

Dies ist meine persönliche Haltung. Und mit dieser passe ich definitiv nicht in die (urbane) kanadische Arbeitswelt. Mit meiner Ehrlichkeit zu Unsicherheiten habe ich mir zwei sichergeglaubte und bereits zugesagte Stellen verbaut. Vielleicht kommt an dieser Stelle eine amerikanische Mentalität zum Vorschein: Man hat keine Schwächen. Wenn ich schonmal in der Küche gekocht habe, dann bin ich halt ein Koch. Nicht rumdruxen von wegen “Ich habe das noch nie so richtig selbstständig gemacht, kann ich mir aber vorstellen….”, sondern “Ja, kann ich. Ich haben schonmal für 100 Personen an einem Abend gekocht!” Eine Einarbeitung bekommst du später sowieso. Wenn man die Stelle einmal angetreten hat, sind die Erwartungen nicht so hoch, wie wir das mit unserer deutschen Sicht erwarten würden.

 

Working Holiday Visa – Ankunft und die ersten Schritte in Kanada

Einreise und Immigration

Um das Working Holiday Visa schließlich ausgehändigt zu bekommen, sind bei der Einreise neben dem Port of Entry-Letter (POE) und dem Reisepass noch einige wichtige Unterlagen zur Einreise und Erteilung der Arbeitserlaubnis erforderlich. Auf den Seiten von Citizenship and Immigration findet man eine genaue Auflistung. Unter anderem nachweisen muss:

  • eine Krankenversicherung für die Dauer des Visums
  • einen bestimmten Betrag “Verfügungsgeld” (hier wird keine konkrete Angabe gemacht, im Internet sprich man von CAD 2.500 – nachgewiesen zum Beispiel durch einen Kontoauszug)
  • ein Rückflugticket oder entsprechendes Geld für ein Rückflugticket

So stand auch ich – typisch deutsch – bestens vorbereitet, alle benötigten Unterlagen in einer Dokumentenmappe gesammelt, am Schalter des Immigration Office und was wollte der Officer sehen? – Eigentlich nichts außer dem POE-Letter und meinen Reisepass. So ähnlich ging es all den anderen Leuten in der Schlange dort auch. Auch von sämtlichen später kennengelernten Leuten mit gleichem Visum hörte ich immer wieder das gleiche. Und dies betraf nicht nur den Flughafen Vancouver, auch Flughafen Toronto oder diverse Landgrenzen verfahren anscheinend gleich. Irgendwo in irgendeiner Facebook-Gruppe habe ich mal gelesen, dass jemand richtig überprüft wurde, das ist aber auch alles.

Anscheinend soll man das alles haben, ist aber dann doch wiederum nicht von Bedeutung. Ich möchte hier aber auf keinen Fall dazu animieren, ohne die Unterlagen einzureisen. Denn eigentlich sind die angeforderten Sachen alle sehr sinnvoll:

Eine Auslands-Krankenversicherung ist unverzichtbar. Da bei einigen Versicherungen auch die nachträgliche Verlängerung aus dem Ausland heraus nicht möglich ist, sollte man diese dann auch gleich wirklich für das Jahr oder den geplanten Zeitraum abschließen. Ist zwar viel Geld auf einen Schlag, aber während des Aufenthaltes sind die meisten Leute nicht wirklich solventer als vorher. Meine Auslandskrankenversicherung hat mir vor Vertragsabschluss auf Nachfrage bestätigt, dass sie den überschüssigen Beitrag nachträglich wieder erstatten, wenn ich vor Vertragsende zurückreise und dies z.B. durch meine Bordkarte nachweise.

Und mit einem Vermögen von unter $2.500 sollte man auch nicht einreisen. Das Leben kostet gerade in den ersten Wochen recht viel Geld, es dauert erfahrungsgemäß einige Zeit, bis genug Geld zum Leben reinkommt.

SIN – Social Insurance Number

Eines der heiligsten Dinge in Kanada ist die Social Insurance Number, kurz SIN. Die benötigst du, damit ein Arbeitgeber dich überhaupt einstellt, damit du ein Bankkonto eröffnen kannst, manchmal auch um einen Mobilfunkvertrag abzuschließen. Oft interessieren Arbeitgeber sich gar nicht für deine Arbeitserlaubnis, solange du diese Nummer hast. Denn sie impliziert, dass du legal im Land bist und arbeiten darfst. Die Beschaffung dieser Nummer ist somit eine Aufgabe, welche man sich in den ersten Tagen in Kanada vornehmen sollte. Viele Leute fühlen sich in den ersten Tagen nach der Einreise mit der neuen Lebenssituation und den vielen Eindrücken ein wenig überfordert und leiden unter dem Jetlag, da ist man durchaus froh, wenn man ein paar klare Aufgaben hat, die man abarbeiten kann.

Die Nummer bekommt man bei Service Canada Office (http://www.servicecanada.gc.ca/tbsc-fsco/sc-hme.jsp?lang=eng). Diese gibt es in nahezu jeder Stadt, ähnlich wie bei uns die Servicezentren oder Einwohnermeldeämter. Man benötigt den Reisepass, das Work Permit und ein bisschen Zeit. Auch hier kann ich wieder nur die positiv in Erinnerung gebliebene Erfahrungen mit kanadischen Behörden bestätigen. Vielleicht Zufall, ich glaube aber eher nicht. Alles sehr entspannt und freundlich. Wenn ich das mit meinen Besuchen in manchen deutschen oder österreichischen Behörden vergleiche…. Hier scheint man die Amtsautorität auch mit einer lockeren Art aufrecht erhalten zu können.

Bankkonto

Eine weitere Sache, die man in den ersten Tagen angehen kann und sollte, ist die Eröffnung eines Bankkontos. Ohne Konto kein Gehalt, Barauszahlungen sind nicht erlaubt. Wie in vielen Geschäftsbereichen sind auch die Banken ganz gut auf Personen mit dem Working Holiday Visa eingerichtet. Es handelt sich schließlich um interessante Kundengruppe. Dementsprechend haben fast alle gängigen Banken (befristet) kostenlose Kontenmodelle mit den üblichen Basisleistungen (Girokonto und Debit-Card). Diese Angebote ändern sich ständig. In Vancouver bietet es sich an, mal durch Downtown oder Gastown zu laufen und bei den Banken zu fragen. Irgendwas findet sich dort schnell.

Wer sich die Mühen machen möchte, kann natürlich auch auf die Suche nach Online-Banken machen, die oft noch bessere Konditionen haben. Ich persönlich habe diese Zeit lieber in qualitativ hochwertiges Leben investiert und die erstbeste Bank mit 6 Monaten kostenlosen Konto genommen.

Mobilfunkvertrag

Ohne Telefon geht nicht viel. Eine meiner ersten Erkenntnisse zu diesem Thema ist, dass wir in Deutschland sehr verwöhnt sich, was Preise und Flexibilität angeht. Prepaid-Optionen in der uns bekannten Form gibt es hier fast gar nicht. Wenn doch, dann kostet die Gesprächsminute bzw. SMS ein Vermögen und für eingehende Anrufe zahlt man das Gleiche. Wenn man sich auf Job- und Wohnungssuche befindet, macht also eigentlich kaum etwas anderes als ein “Monthly Plan” Sinn. Diese sind vergleichbar mit den deutschen Langzeitverträgen. Wenn man allerdings sein eigenes Telefon mitbringt, kann man bei den meisten Anbieteren täglich kündigen, was die Sache wiederum flexibel gestaltet.

Die Preise für diese Tarife belaufen sich je nach Freiminuten und Datenvolumen auf mindestens CAD40-50 pro Monat. SMS sind dann eigentlich immer unbegrenzt inklusive. Hört sich für den Mitteleuropäer eigentlich erst einmal total unrelevant an, ist es in Kanada aber nicht. WhatsApp hat sich hier lange nicht so durchgesetzt wie bei uns und so wird immer noch fleißig SMS geschrieben.

Ein weiteres wichtiges Detail ist, dass viele in Deutschland funktionstüchtige Smartphones und Mobiltelefone im nordamerikanischen Netz nicht funktionieren. Die mit dem Apfel funktionieren immer, die vom koreanischen Konkurrenten nur teilweise. Der Mobilfunkanbieter mit dem geringsten Standard ist auf jeden Fall Rogers (dazu gehört zum Beispiel auch Fido). Wenn der nicht funktioniert, dann funktioniert wahrscheinlich keiner. Wer also plant, sich vor dem Aufenthalt in Kanada noch ein Smartphone zu kaufen, sollte dieses Detail definitiv beachten. Entsprechende Tabellen zur Fähigkeit der Telefone gibt es im diesem Internet zu genüge.

Die Angebote der Mobilfunkbetreiber sind ebenfalls sehr dynamisch und ständig wechselnd. In Städten wie Vancouver sollte man einfach mal die Einkaufsmeilen durchlaufen und sich ein paar Angebote einholen.

Aber Vorsicht: auch hier im ansonsten aufrichtigen Kanada erfüllen die Mobilvertragverkäufer meiner Erfahrung nach leider die gleichen Klischees wie woanders auch. In mehreren Shops wurde mir mir das gelbe vom Ei herbeigelogen, wie sich im jeweils nächsten Shop wieder herausstellte. Manche Menschen werden halt ziemlich charakterlos wenn es ums Geldverdienen geht, egal in welchem Land.

Führerschein

Immer wieder liest man in Internetforen, dass man sich nach der Ankunft in Kanada als erstes einen Führerschein als Identifikationsmedium besorgen soll. Dies macht meiner Meinung nach unter gewissen Umständen Sinn, im Groben und Ganzen halte ich dies für Leute mit dem Working Holiday Visa allerdings nicht notwendig. Zum Hintergrund: In Kanada gibt es keinen Personalausweis oder eine ID-Card wie wir sie aus weiten Teilen Europas kennen. Und da im Reisepass keine Adressen stehen und dieser ohnehin unhandlich ist, hat sich in Kanada der Führerschein zu dem entwickelt, was der deutsche Personalausweis ist.

Wenn man dauerhaft in Kanada bleiben möchte, den Führerschein beruflich oder privat zum Fahren benötigt oder ständig einen Nachweis seiner Wohnadresse braucht, dann macht die Umschreibung durchaus Sinn. Mir persönlich ist der Aufwand zu groß. Man gibt den deutschen Führerschein ab und muss sich diesen in Deutschland später wieder neu ausstellen lassen. Um seine eigene Identität nachzuweisen, zum Beispiel beim Hostel-Check-In oder in einer Bar, wird der deutsche Personalausweis oder Führerschein eigentlich immer akzeptiert. Man möchte und sollte halt nicht immer den “wertvollen” und unhandlichen Reisepass mitführen.

Working Holiday Visa (WHV) – Was ist das?

Das Working Holiday Visa ist eine sehr gute Gelegenheit, Kanada ausführlicher kennen zu lernen. Zum einen bin ich Verfechter der These, dass man das wahre Leben in einem Land oder einer Stadt erst richtig kennenlernt, wenn man dort auch arbeitet. Zum anderen ist Kanada aus deutscher Sicht kein Billigland, einfach nur Urlaub machen und das Land erkunden ist auf Dauer ziemlich teuer. Mit dem Working Holiday Visa kann man als deutscher Staatsbürger ein Jahr lang in Kanada leben und in fast allen Berufszweigen arbeiten. Man muss (zumindest im Antragsverfahren) zwischen 18 und 35 Jahre alt sein.

Das Visum ist grundsätzlich mit den Work and Travel Visa von Australien und Neuseeland vergleichbar, nur tritt die Altersdiskriminierung für Deutsche hier erst mit 36 und nicht mit schon mit 31 ein, also das perfekte Land für Spätentschlossene. Achtung, die in diesem Text angewendeten Werte und Bedingungen sind grundsätzlich für deutsche Staatsangehörige. Das Visum gibt es für viele Staatsangehörigkeiten, die Bedingungen sind aber durchaus verschieden. So dürfen die Angehören aus dem erweiterten “British Commonwealth” (Australier, Briten, etc.) zum Beispiel zwei Jahre bleiben, dafür müssen sie sich aber bis zum 30 Lebenjahr bewerben. Tja, die Queen ist halt immer noch das Staatsoberhaupt Kanadas und mischt kräftig mit..

Bewerbung und Beantragung des Working Holiday Visa

Auf das Antragsverfahren möchte ich hier nur sehr kurz eingehen. Grundsätzlich ist es sehr gut auf den Seiten der kanadischen Regierung – Citizenship and Immigration (www.cic.gc.ca) erklärt. Es gliedert sich in mehrere Schritte:

  1. Werde Kandidat: Bewerbe dich um einen Platz im IEC-Pool (International Experience Canada). Dort lungert deine Bewerbung erst einmal für einen gewissen Zeitraum herum, regelmäßig werden aus diesem Pool per Losverfahren Visa vergeben. Wie groß die Chancen sind, kann man im Vorfeld nicht sagen. Dies hängt von der Anzahl der Bewerber und der Anzahl der freigegebenen Visa ab. Kann also einiges dauern bzw. kannst du dabei auch einfach leer ausgehen.
  2. Bewerbung um eine Arbeitserlaubnis: Solltest du einen Platz aus dem Pool und damit eine “Invitation to Apply” bekommen haben, dann schätze dich glücklich. Du musst zunächst die Einladung annehmen und hast dann 20 Tage Zeit, wichtige Unterlagen einzureichen. Achtung, einige Unterlagen musst du selber erst noch beantragen, was auch wieder Zeit benötigt. Also sei besser typisch deutsch und erldige die Sachen zeitnah.
  3. Erhalt des “Port of Entry (POE) Letter of Introduction”. Glückwunsch, mit diesem Brief kannst du dann nach Kanada einreisen und erhälst bei deiner Einreise im Immigration Office dein Visum mit Arbeitserlaubnis, wenn du gleichzeitig noch ein paar anderen Unterlagen vorlegst.

Mountainbiking – Die wohl schönste Sportart

Gibt es eine schönere Sportart als das Mountainbiken? Wenn ja, dann auf jeden Fall nicht viele. Das Mountainbiking verbindet sehr viele schöne Aspekte zu einem tollen Sport. Man kann sich konditionell im Aufstieg oder auf Zwischenstücken auspowern, man ist mitten in der Natur, kann unheimlich tolle Panoramen genießen und das Allerbeste: Nach einem anstrengenden Aufstieg kann man die Abfahrt auf schönen Trails einfach genießen oder dort seine technischen Fertigkeiten ausleben. Die Abfahrt ist der entscheidende Unterschied zum Wandern.

In dieser Kategorie sollen demnächst viele Beiträge zum Mountainbiking erscheinen. Bis dahin schonmal ein paar Bilder, die Lust auf Berge, Mountainbiken und Trails machen sollen. Viel Spaß damit!

 

Panoramapause in den Dolomiten

Berninapass

Davos Monstein

Bikebergsteigen in den Dolomiten

Trail zum Davoser See von Drusatscha Alp

Kurz vor der Abfahrt im Trentino

Ausblick im Trentino

Radweg durch Obstplantagen im Trentino

Trails in den Dolomiten

Trailspass Davos Pischa

Radreisen – Die wohl schönste Art zu reisen

Gleich zu Beginn die entscheidende Frage: Gibt es eine schönere Art zu reisen?  Das Radreisen verbindet unendlich viele gute Eigenschaften miteinander: Das Reisetempo lässt einen spürbar Voranschreiten und doch gleichzeitig vieles wahrnehmen, man bestimmt sein Reisetempo selbst und kann es jederzeit ändern, man fährt abseits klassischer Touristenansammlungen, lernt so Land und Leute viel besser und authentischer kennen,  Einheimische sind abseits der Touristenhotspots viel offener, wenn man möchte kann man Routen und Aufenthaltsorte spontan ändern, man ist verbunden mit der Natur, …….

Diese Aufzählung könnte noch lange weitergehen.  In dieser Rubrik sollen demnächst viele interessante Artikel erscheinen, welche  Anregungen zu Reisezielen,  Reisephilosophien, Material, Ausrüstung, und vieles mehr geben sollen. Da dies noch ein wenig dauern wird findet ihr unten schonmal ein paar anregende Bilder, die Lust auf das Radreisen machen sollen. Und vielleicht vorweg schonmal eine wichtige Frage:

Radreisen – Ist das etwas für mich?

Die nahezu pauschale Antwort ist recht einfach: JA! Wie oben schon erwähnt, bietet diese Reisemöglichkeit unheimlich viel Flexibilität in der Ausgestaltung. Gut, ein paar Grundvoraussetzungen sind natürlich zu erfüllen. So sollte man sicher Fahrrad fahren können und ein sicheres Rad haben. Man benötigt grundsätzlich kein hochwertiges, hochtechnologisches Reiserad. Wenn man zum Beispiel ein paar Tage an der flachen deutschen Nordseeküste entlang fahren möchte, dann reicht mitunter auch ein bequemes Hollandrad. Auch untrainiert lassen sich schöne Reisen fahren, man muss halt nur die Tagesleistung entsprechend gestalten. Man kann mit sehr wenig Gepäck von Hotel zu Hotel fahren, eventuell sogar einen Gepäcktransfer buchen oder mit kompletter Campingausrüstung jederzeit flexibel auch durch unbesiedelte Gegenden fahren. Es stehen grundsätzlich sehr viele Möglichkeiten nach unten und oben offen. Hauptsache man genießt.

Camping in Schweden

Rumänische Dörfer

Reifenpanne auf freiem Feld

Wildcamping an der bulgarischen Schwarzmeerküste

Regentag am eisernen Tor (Serbien)

Teepause mit Einheimischen in der Türkei

Gestikreiche Wegerklärung in Rumänien

Radreisen Rumänien

Türkische Dörfer

Pferdeliebe in Rumänien

Schwedens Westküste

Outdoorsport

 

Vancouver – Erste Impressionen aus einer deutschen Sicht

Ankunft am Flughafen  Vancouver

Landung in Vancouver. Sonnenschein, die Frisur sitzt schon lange nicht mehr, gefühlt dürfte die Sonne auch schon lange nicht mehr scheinen. Ein Flughafen mit Teppichboden, interessant. Welcher Brüllbesenfahrer mag das alles saugen wollen? Was trotz der Müdigkeit recht schnell auffällt ist die Freundlichkeit aller Bediensteten des Flughafens, auch die der Polizei und der anderen Behörden. Sehr schwer, wenn man sich vorstellt, dass die Leute größtenteils einen sehr monotonen Job haben. In Berlin-Tegel schafft man es nicht, dass Personal derart bei Laune zu halten, die Willkommenskultur scheint hier am Flughafen deutlich besser ausgeprägt. Aber das ist ja auch ein Teil des Rufes, der Kanada vorauseilt.

Während der gefühlt langen Wartezeit im fensterlosen Immigration Office kommt dann doch ganz schnell das Gefühl von “eigentlich ist jetzt die Tageszeit, zu der man normalesweise schläft” auf. Zum Glück machen die Grenzbeamten im Kollektiv hinter ihren Schaltern aus einer eigentlich langweiligen Materie eine unterhaltsame Komedieshow quer durch den ganzen Raum, welche einem am Einschlafen hindert:

“Let me guess: German, Working Holiday Visa?”

“Yes, that’s right.”

“Is there still anybody in Germany? They might be all in Canada!….. And one questions: Why do you Germans always want to MAKE holiday? Why don’t you just go on holiday? Almost every German seemes to have an own travel company…” Soviel zu denglischen Missverständnissen.

Erkenntnis des Tages schon jetzt: Aha, hier können Behördenmitarbeiter anscheinend locker und seriös zugleich sein. Eine für mich als ehemaliger deutscher Behördenmitarbeiter eine  völlig neue Erkenntnis.

Take me Downtown

Nach erfolgreicher Immigration geht’s mit dem Skytrain in Richtung Downtown. Naja, irgendwann verläuft die Linie halt nur noch unterirdisch, interessante Namensgebung. Aber das kennt man ja auch aus Hamburg, wo die U-Bahn auf Stelzen und die S-Bahn unter Tage fährt. Wie dem auch sei, einen Fahrer sucht man ähnlich wie in Kopenhagen vergebens. Das Skytrain-Netz ist relativ neu, wahrscheinlich hat ein betrunkener Konstrukteur einfach die Fahrerkabinen vergessen zu bauen und so mussten sich die Informatiker nachher etwas einfallen lassen. Derart Fauxpass kennt man ja bei öffentlichen Bauvorhaben in Deutschland zu genüge.

Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen auf dieser Welt war Kanada für mich immer ein komplett eigenständiges Land und hatte für mich nichts mit den USA gemein. Die Kanadier mögen es schließlich gar nicht, wenn man sie mit dem “großen” Nachbarn, der ja eigentlich kleiner ist, vergleicht. Machen aber sehr viele Leute. Ich war bis zu meiner Ankunft in Vancouver noch nie in den USA, muss aber sehr schnell feststellen, dass hier vieles so ist, wie ich es mir für die USA vorstelle, bzw. so wie ich es über die USA aus Funk und Fernsehen kenne. Die Straßen sind in Quadratform angelegt, es fahren viel zu viele übertrieben protzige Autos durch die Stadt, auf Lärmvermeidung wird hier selbst am Sonntag kaum ein Augenmerk gelegt und es gibt die typisch amerikanischen Fastfoodketten an gefühlt jeder zweiten Ecke, an der jeweils anderen Ecke gibt es “Tim Hortons”, eine urtypisch kanadische Fastfoodkette.

Ein bisschen orientierungslos, mithilfe meiner Kartenscreenshots suchend, laufe ich von der Waterfront Station aus durch die Gegend, um mein Hostel zu suchen. Schnell werde ich von einer freundlichen und schick gekleideten Dame hilfebietend angesprochen.Sie erklärt mir den Weg, warnt mich aber gleichzeitig davor, auf dieser “Hastings Street” zu weit in Richtung Osten zu laufen. Sehr gefährlich, dort seien obdachlose Menschen. Also laufe ich vorsichtig weiter, denn das habe ich schließlich in meinem Leben gelernt: obdachlose Menschen sind IMMER gefährlich. An dieser Stelle sollte ich vielleicht besser erwähnen, dass Ironie meine beste Freundin ist, bevor mir hier noch aufgrund meiner stereotypen Neigungen eine Pegida-Zugehörigkeit unterstellt wird. Ein paar Tage später musste ich feststellen, dass einzelne Obdachlose hier wirklich ein bisschen unberechenbarer sind als ich es bisher kannte. Dazu aber zu einer anderen Zeit mal mehr.

Das Hostel irgendwann erreicht, schnell eingescheckt und dann erst einmal ankommen. Ein “Feierabendbier” in der angegliederten Bar schien mir die richtige Entscheidung. Gar nicht so einfach das passende Bier zu finden bei gefühlt 40 Sorten vom Hahn. Auf meine Beratungsanfrage im feinsten Denglisch antwortet der Barkeeper im feinsten Deutsch. Gut, die Sprache liegt mir auch einfach besser, da hat er schon recht. Naja, als ich dann mal so ein bisschen um mich herum den Gesprächen gelauscht habe, stelle ich fest, dass hier mehr deutsch als auf der Weserstraße in Neukölln gesprochen wird. Scheint eine dezente deutsche Hochburg zu sein hier.

Irgendwann packt mich dann die Müdigkeit, ich beschließe, hoch auf mein Zimmer zu gehen. Den Rest des Bieres nehme ich dann mal “Wegbier” mit aufs Zimmer. Die Rechnung habe ich aber nicht mit der resoluten Rezeptionistin des Hostels gemacht. “No alcohol beyond this point!” fährt sie mich an. Recht verunsichert komme ich mir fast wie ein Schwerverbrecher vor. Zumindest wird mir das von ihrer Körpersprache so signalisiert. Ich muss das Bier erst in der legitimierten Alkoholkonsumzone verzehren oder es dort stehen lassen, es drohen ansonsten hohe Bußgelder. Während sie dies in ihrer oberlehrerhaften Art erzählt, zieht von draußen eine mächtige Graswolke ins Gebäude, welche von ein paar Hostelgästen direkt vor dem Eingang stammt. Das scheint sie im Gegenzug nicht wirklich zu stören. Komisch. Ein paar Tage später sollte ich sie während ihres Dienstes dort ebenfalls Gras rauchen riechen.

Erschöpft von einem 33 Stunden Tag schlafe ich irgendwann ein…. und wache gefühlte zwei Stunden später wieder auf. Es ist vier Uhr nachts, mein Körper teilt mir mit, dass der Tag schon lange begonnen hat, während meine Zimmernachbarn noch seelenruhig schnarchen. Juhu, das ist also dieser Jetlag von dem immer alle reden. Schön, dich kennen zu lernen.

Der erste Morgen

Auf den ersten Morgen in Kanada habe ich mir dann erst einmal im Restaurant ein ordentliches kanadisches Frühstück gegönnt. Immer werde ich das nicht machen können, aber heute ist ein besonderer Tag. Die Kellnerin begrüßt mich äußerst freundlich, lächelt mich die ganze Zeit an, schüttet immer wieder Kaffee nach, schenkt mir einfach unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit. Nicht schlecht, sie scheint mich zu mögen. Nebenbei sieht sie auch noch äußerst attraktiv aus, betont ihre körperlichen Vorzüge auch noch ganz gut durch ihre Kleidung. Ich glaube, wir werden uns morgen früh wiedersehen. Als mein Zimmerkamerade und ich am späten Nachmittag in ein anderes Restaurant gehen die gleiche Geschichte. Die Kellnerin schenkt mir unglaublich viel Aufmerksamkeit. David, was ist hier los, bist du etwa der kanadische Dreamboy. Das kann ja eine nette Zeit werden.

Aber schon kurz darauf siegte meine Skepsis. Auch wenn sie für uns Mitteleuropäer erst einmal sehr persönlich wirkt, ist diese Aufmerksamkeit auch nur professionell. Den entscheidenden Teil des Gehaltes verdienen die KellnerInnen hier per Trinkgeld. 15-20% sind halt immer üblich, nicht wie bei uns 5-10…. Ist klar, dass die Motivation zur Aufmerksamkeit und zu attraktiver Kleidung hier eine ganz andere ist. Schade, ich hätte mich an diese Illusion gewöhnen können.

Und so kommt es natürlich auch deutlich teurer als angenommen. Auch in den Supermärkten oder anderen Geschäften sind die Endsummen immer einiges höher als ausgerechnet. Beim Blick auf den Kassenbon wird es schnell klar. Sämtliche Preisangaben sind immer netto. Es kommen also die gängigen Steuern erst später an der Kasse hinzu. Fast wie früher, als ich mit Papa im Großhandel einkaufen war. Beim Ausgehen in eine Bar merkt man die ganzen “Nebenkosten” am heftigsten. Bier des Tages: $5 pro Pint. Nett. Hinzu kommen lediglich 5% Mehrwertsteuer, 10% Alkoholsteuer und 15-20% Trinkgeld. Wenn man den Barkeeper mag, zahlt man also final $7. Jaja, diese verbraucherfreundlichen transparenten Endpreise in der EU haben schon etwas angenehmes.